Gestern Abend war die ganze Umgebung wieder einmal von dichten Rauchschwaden verhangen. Nach tagelangem Schlechtwetter wurden die Feuerstellen in allen Gärten wieder gleichzeitig in Betrieb genommen.
Nichts riecht besser, als bratendes Schweinefleisch auf dem eigenen Gartengriller. Nichts stört das Olfaktorium mehr, als der Grillgeruch aus Nachbars Garten. Sinnlose Speichelflußanregung!
Noch dazu, wenn man wieder einmal das eigene Gewicht reduzieren will. Vor 2 Monaten habe ich beschlossen, dass ich den kleinen Ralph mit meiner lange nicht mehr verwendeten roten Hose bekleidet aus dem Klinikum abholen werde. Irgendein Ziel muß man sich ja setzten. Das Wäschestück liegt mir am Herzen, eine Verwendung war aber ausgeschlossen. Die Gelegenheit war also da und günstig.
Dazu war eine Reduktion der Gewichtes von mindestens 7 kg erforderlich. Bis zur Geburt waren es lediglich 2,5kg entbehrungsvoller Verlust. Dann kam der Vaterstress dazu und das Tschapperl vergaß fast gänzlich auf die Nahrungsaufnahme ohne großes Hungergefühl.
Kurzum: gestern beim Heimtransport des kleinen Ralph passte das gute alte Kleidungsstück.
Ich erlebe merkwürdige und überraschend ruhige Momente, wenn ich im Krankenhaus im Lehnstuhl zurückgelehnt sitze, den (allerdings gerade nicht schreienden) Ralph auf mich lege und vor mich hindöse.
Ein nie gekannter Zustand der Ruhe und Zufriedenheit kehrt dann ein, fast wie wenn man alleine auf einem windstillen Berggipfel sitzt. Es verschwindet das Zeitgefühl, man nimmt intensiv die eigene Atmung und die des Kleinen war, seinen Geruch und die kleinen Bewegungen im Schlaf. Harmonie pur. Daneben schläft im Spitalsbett die auch noch müde Frau Mama und schaut nach hektischen Wochen recht gelöst drein.
Ein Idyll.
Am Wochenende wird sich das aber schnell ändern, wenn die beiden aus dem Klinikum nach Hause kommen. Dann kommt Freude auf und Leben in die Bude. Und ich werde geschimpft bekommen, weil ich die Hälfte der aufgetragenen Erledigungen nicht schaffen konnte oder wohl eher gar nicht betreiben wollte. Und an allen anderen möglichen Unbill werde ich dann auch schuld sein. Stillende Frauen seien nicht still, sagt man.
"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr", sagt man auch. Wird schon stimmen.
Die Kindesbewegungen wurden heute ein wenig anders wahrgenommen und berichtet - fast meint man er spürt, dass er bald herausgerissen wird aus der warmen Behausung - in eine zumindest am Anfang unwirtlichere Umgebung. Aber nach dem Zufriedenheitsgrad wird er nicht mehr gefragt werden: einfach Pech gehabt und rein ins Leben. Und das dauert dann für ihn halt so ungefähr bis zur nächsten Jahrhundertwende - wenn die Wissenschaft noch ein paar Fortschritte macht auch länger.
Es ist wirklich eine große Freude. Die letzten Zweifel schwinden, das Ganze macht einfach Sinn!
Hätte mir schon viel, viel früher einfallen können.
Wie bereits mehrfach erwähnt ist Tschapperl ein Kind und Fan der 70er - musikmäßig zumindest. Um ein wenig Retro-Feeling aufkommen zu lassen (via www.last.fm):
Obwohl ich den Verdacht habe, dass die gute Donna das schon in den frühen 80ern aufgenommen haben könnte: macht nix. Als technischer Web 2.0 - Dummie bin ich schon froh überhaupt ein paar Töne hier hereingebracht zu haben.
Musik dieser Art höre ich übrigens fast ausschließlich in der Badewanne - bevorzugt den allzu früh von uns gegangenen Barry White.
Dass ich nicht mehr der Jüngste bin, das weiß ich selber. Man braucht es mir aber nicht die ganze Zeit vorhalten, gleich in welcher Absicht. Was bin ich nicht sensibel auf meinen mittelalterlichen Tagen geworden!
Heute etwa gehe ich zum H&M in Linz und schaue mich um, was im Ausverkauf für meinen Nachwuchs eventuell passen könnte. Schließlich wird er voraussichtlich am nächsten Wochenende das Licht der Welt erblicken.
Ich finde ein Jäckchen mit Hose für zwei bis vier Monate, gehe zur Kasse und werde prompt gefragt: "Soll ich es als Geschenk einpacken?" Ich blicke etwas ratlos drein und bin auch schon Besitzer eines Geschenkkartons, in dem ich das gute Stück jemandem zum Präsent machen kann. Halt, will ich fast sagen, das wäre nur zum Anziehen für meinen Kleinen, dem könne ich doch noch nichts schenken und überhaupt zu welchem Anlaß - aber zu spät. Ich werde seitens des H&M - Personals nicht als Papi betrachtet, der für den Sohnemann Wäsche besorgt, sondern für irgendeinen Großonkel gehalten, welcher etwa für das Taufkind Irgendetwas einkaufen geht.
Irgendwie dumm gelaufen. Komplett konsterniert hechelt Tschapperl in der schönen weiten Shoppingwelt der Zielgruppe "Jugend" hinterher. Und daran vorbei.
Da hatten wir einen ähnlich schönen und vielleicht noch heißeren Juni. Warum ich das noch weiß?
Es fiel mir am heutigen sonnigen Morgen ein, als ich am Bahnhof im MP3-Player "Let your love flow" hörte. Ich kann vom alten Kitsch einfach nicht lassen. Bellamy Brothers an den Gitarren - das war damals mein Lieblingslied, auf und ab gespielt im guten alten silbernen Kasettenrecorder. Man sollte es neu covern mit ein wenig mehr Beat und etwas schneller spielen, das wär´s. Dazu eine weibliche Stimme nehmen! Jeder Schwachsinn wird bearbeitet, jede schwindelige Tonfolge recycelt, nur darauf kommt keiner.
Der Sommer war damals im Juni noch so lang und die Verliebtheiten so groß und intensiv wie eigentlich niemals danach je wieder erlebt. Man glaubte, das würde nie enden, die Welt war breit und schien auf mich gewartet zu haben.
Manche Zeiten bleiben eben im Gedächtnis und im Gemüt gespeichert wie keine anderen. Einfach unvergeßlich. Und wenn man sie mit ein wenig Musik anstubst, dann sind sie wieder da.
14 Tage noch laut Plan, dann wird der Infant erscheinen. Er verursacht jetzt schon Stress.
Ich bin mittlerweile zum Lakeien mutiert und streiche brav die Wände des Kinderzimmers, baue Gitterbettchen zusammen und erledige auch sonst, was mir aufgetragen wird. Das ist nicht wenig. Dabei hasse ich nichts mehr Heimwerken und geplante Einkaufstouren.
Bedeutung und Umfang des Wortes "Nestbau" beginnt sich mir langsam zu erschließen.
An der einen Seite grenzt mein Grundstück an eine Reihe Schrebergärten, die dahinterstehenden Genossenschaftsbauten zugeteilt sind. Es sind vorwiegend alte Menschen, die dort ein wenig in der Sonne sitzen, ein paar Blumen züchten und Neuigkeiten austauschen. Die Gegend ist sozialdemokratisches Kernland, hier wird SPÖ gewählt. Vor einigen Jahren vielleicht auch protesthalber einmal das vielfarbige blaue, manchmal braune und dann auch wieder orange Gesindel, das dann einige Zeit mitregieren durfte. Jedenfalls wurden hier bisher keine Wohnungen an Asylanten, Imigranten oder auch nur Menschen mit irgendeinem bemerkbaren Migrationshintergrund vergeben - man könnte ja Wähler verlieren. Dann schon lieber ein paar Ghettos am Stadtrand entstehen lassen.
Die auffälligsten fremdländischen Gestalten waren in der Vergangenheit interessanter nur ein paar Thaifrauen, die sich die schmerbäuchigen, dicken, Goldkettchenträger mit ihrer Bierfahne im fernen Land organisiert hatten, da sie am hiesigen Heiratsmarkt mit ihrem fehlenden Charme, ihrer beschränkten Anmut und nur schwer erkennbaren Liebenswürdigkeit natürlich nur mit wenig Erfolg teilnahmen.
Genug davon: es ist nicht der feinste Bezirk, nicht die erste Adresse in dieser Stadt, wo ich wohne. Die Stadt hat einen Ausländeranteil von fast einem Fünftel der Bewohnerzahl, da läßt es sich nicht ganz vermeiden, auch die reinrassigen Gebiete etwas aufzumischen.
Kurz: der erste Jugo ist da. "Jugo" ist hierzulande noch immer die Sammelbezeichnung für alle, die als Gastarbeiter oder Flüchtlinge aus dem alten Jugoslawien zugezogen sind - man unterscheidet kaum, welcher Nationalität einer zugehört. Alle von "da unten" - kaum einer hat jemals hier begriffen, warum sie sich dort jahrelang die Köpfe blutig geschlagen haben. Bestenfalls werden noch Albaner und Slowenen ein wenig gesondert gesehen, aber der Rest: alles wie gehabt, eben "Jugo".
Interessant ist allerdings, dass der Neue von den Alteingesessenen durchaus freundlich aufgenommen wird. Hätte ich denen gar nicht zugetraut, Toleranz und Neugier. Ein paar alte Weiber, die hinter meiner Thujenhecke tagein tagaus nur über Bekannte, weniger Bekannte und die vermeintlich triste Gegenwart herziehen, gebärden sich von mir völlig unerwartet als freundlich aufgeschlossen ob der neuen Mitbewohner - ein älteres Ehepaar aus Serbien. Sie erzählen sich alte Geschichten, tauschen Rezepte mit Ihnen und vergessen fast, dass ihre eigenliche Lebensaufgabe ja darin besteht, andere "auszurichten". Und sie bestaunen täglich den neu Angelegten Gemüsegarten mit Wohlgefallen.
Das habe ich denen wirklich nicht zugetraut. Gut, es sind angegepasste, etwas radebrechend deutschsprechende Zuzöglinge, keine finster dreinblickenden dunklen Gstalten oder unter bunten Kopftüchern verborgene Menschen - aber immerhin.
Sogar sprachlich haben sich die Nachbarinnen den Neuen schon angepasst. "Was-du-kochen-heute?" wird die Frau gefragt, obwohl sie durchaus die Erkundigung danach in gebräuchlichem Deutsch verstünde. Sogar "Woskochstnheit?" - die halb hinuntergeschluckte Dialektform - würde sie auch beantworten können. Wird nicht versucht.
Nein, man bleibt beim "Polierdeutsch": "Mirko, da nimmst Schaufel und machst Loch zu".
Es ist wirklich kein Wunder, dass die Zugezogenen in dieser Republik auch nach Jahrzehnten kein besseres Deutsch sprechen gelernt haben - WIR haben das gründlich verhindert.
Manch einem Heimgegangenen schreibt man das auf den Grabstein. Ein letzter Vorwurf.
Wollte noch im Standard einen kleinen Nachruf posten - leider hat das Schurkenpack dei Kommentarfunktion abgedreht.
Wo soll ich jetzt hin mit meinem Klagelied?
Man soll sich nicht halbrekonvaleszent dem Arbeits- und nachmittäglichem Einkaufsstress hingeben. Am Freitagabend lag ich dann mit Fieber im Bett: ein klassischer Rückfall, letztlich ein Eigentor. Als wenn ich unentbehrlich wäre!
Also habe ich dann das Wochenende schlafend oder in der Gartenlaube dahindösend verbracht.
Und ich habe die Ruhe und fallweise sogar Stille genossen - denn damit ist es irgendwann Anfang Juli dann für die nächsten Jahre eh vorbei.
Eigentlich bin ich ja recht gesund, nur heute eben nicht. Halsschmerzen, Heiserkeit, geschwollene Halslymphknoten, leichtes Fieber, Abgeschlagenheit,.... .
Keine wirklich guten Vorraussetzungen, wenn man im Beruf den ganzen Tag mit den anderen Menschen kommunizieren muß.
Daher bleibe ich heute zuhause.
Wenn ich mich richtig erinnere ist das erst der zweite Tag in den letzten fünf Jahren, an dem ich nicht arbeiten gehen mag. Seit ich damals beschlossen habe endlich gesünder zu leben, mit diversem Unfug aufzuhören, abzunehmen und mich mehr zu bewegen, bin ich ein schlechter Landeplatz für Bazillen aller Art geworden. Man ist ja nicht mehr der Jüngste! Doch diesmal scheint irgendein Erreger ein Hintertürchen gefunden zu haben und hat meine oberen Luftwege frech besiedelt.
Und wenn ich einmal befunden habe sterbenskrank zu sein, dann zelebriere ich das auch gehörig. Schließlich war und bin ich Hypochonder und kann aus den kleinsten Wehwechen, die mich zwicken, die schrecklichsten und möglicherweise längerfristig letalen Konsequenzen ableiten.
Und vor allem muß ich das auch der Welt gehörig mitteilen, dass hier ein Mensch vor sich hinsiecht.
Was ich hiermit getan habe.
Nachdem heißer Tee nicht wirklich Linderung gebracht hat, werde ich bei anhaltendem Leidensdruck doch mein Medikamentenschränkchen vor mittag noch plündern; irgendein Chemotherapeuticum, vor dem sich die verdammten Bazillen zu Tode fürchten und dann reihenweise den Geist aufgeben werden, wird wohl noch lagernd sein.